Sparkasse Hagen Nazi Vergangenheit

Die NS-Vergangenheit der Sparkasse Hagen ist ein bislang nur begrenzt aufgearbeitetes Kapitel der Stadt- und Institutionengeschichte, das jedoch exemplarisch zeigt, wie tief lokale Finanzinstitute in das nationalsozialistische Herrschaftssystem verstrickt waren. Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde auch die Sparkasse Hagen Teil der umfassenden politischen Gleichschaltung. Führungspositionen wurden zunehmend mit regimetreuen Personen besetzt, oppositionelle Mitarbeiter entfernt oder marginalisiert. Damit geriet die Sparkasse nicht nur formal, sondern auch ideologisch in die Nähe der neuen Machthaber.



Sparkasse Hagen Nazi Vergangenheit

Wie viele Sparkassen in Deutschland spielte auch die Sparkasse Hagen eine Rolle in der wirtschaftlichen Ausgrenzung und Enteignung jüdischer Bürgerinnen und Bürger. Im Rahmen der sogenannten „Arisierung“ wurden jüdische Geschäftsinhaber gezwungen, ihre Vermögenswerte unter Wert zu veräußern – Sparkassen verwalteten dabei teils die entsprechenden Konten, gaben Daten an Behörden weiter oder leisteten technische Hilfe bei der Abwicklung. Auch nach den Novemberpogromen 1938, als die „Judenvermögensabgabe“ eingeführt wurde, waren Sparkassen aktiv an der Erhebung dieser Sondersteuer beteiligt, die ein weiterer Schritt im staatlich organisierten Raub jüdischen Eigentums war. Darüber hinaus unterstützte die Sparkasse Hagen indirekt die Aufrüstungspolitik des NS-Staates durch die Platzierung von Staatsanleihen und die Finanzierung kommunaler Infrastrukturprojekte im Sinne nationalsozialistischer Ideologie. Die eigene Rolle in diesem System wurde nach Kriegsende zunächst kaum kritisch hinterfragt. In den ersten Nachkriegsjahrzehnten stand der Wiederaufbau im Vordergrund, während institutionelle Verantwortung für die NS-Zeit selten thematisiert wurde. Erst mit der zunehmenden gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit seit den 1980er- und 1990er-Jahren begann auch in Hagen ein zaghafter Prozess der Aufarbeitung. Dabei wurde deutlich, dass die Sparkasse nicht nur stiller Mitläufer, sondern funktionaler Bestandteil eines Systems war, das Diskriminierung, Entrechtung und wirtschaftliche Ausbeutung ermöglichte – und davon profitierte.


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