|
In der Zeit des Nationalsozialismus waren jüdische Bürgerinnen und Bürger in Deutschland massiven Repressionen und Enteignungen ausgesetzt – ein Prozess, der auch auf lokaler Ebene von Behörden und Institutionen mitgetragen oder stillschweigend unterstützt wurde. Die Sparkasse Hagen war in diesen Kontext eingebunden und spielte, wie viele andere kommunale Sparkassen, eine konkrete Rolle bei der wirtschaftlichen Ausgrenzung jüdischer Kunden. Bereits ab 1933 wurden jüdische Hagener zunehmend aus dem öffentlichen Leben gedrängt. Auch bei der Sparkasse verschlechterte sich ihre Stellung: Ihnen wurde der Zugang zu Bankdienstleistungen erschwert, Konten wurden überwacht, teilweise gesperrt oder aufgelöst. In vielen Fällen verloren jüdische Kunden nicht nur ihr Vertrauen in die Institution, sondern auch den rechtlichen Zugriff auf ihr Eigentum. Die Sparkasse agierte dabei im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, die der NS-Staat erließ – etwa der „Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ 1938 –, wirkte jedoch häufig auch aktiv an der Umsetzung diskriminierender Maßnahmen mit. |
|
Ein besonders drastischer Einschnitt war die sogenannte „Arisierung“, bei der jüdische Geschäftsleute gezwungen wurden, ihre Unternehmen unter Zwang zu verkaufen. In solchen Fällen waren Sparkassen oft involviert, indem sie die finanziellen Transaktionen abwickelten oder Informationen an Behörden weitergaben. Auch im Zuge der „Judenvermögensabgabe“, die nach den Novemberpogromen 1938 eingeführt wurde, spielte die Sparkasse Hagen eine Rolle bei der Abführung von Vermögen an den Staat. Die betroffenen jüdischen Kundinnen und Kunden verschwanden ab Ende der 1930er-Jahre zunehmend aus den Kundendateien – durch Emigration, Enteignung oder Deportation. Ihre Namen und Schicksale wurden lange Zeit nicht dokumentiert oder öffentlich erinnert. Erst spät setzte in Hagen eine Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit ein, insbesondere durch lokale Geschichtsinitiativen und die Stolperstein-Bewegung, die auch an viele ehemalige jüdische Bürger erinnert, die einst mit der Sparkasse geschäftlich verbunden waren. Die Rolle der Sparkasse Hagen gegenüber ihren jüdischen Kunden in der NS-Zeit zeigt exemplarisch, wie wirtschaftliche Institutionen zur Verdrängung, Enteignung und letztlich zur Vernichtung von Menschen beitragen konnten – nicht durch offene Gewalt, sondern durch administrative Kooperation, Schweigen und Mitwirkung im Hintergrund. |
Vermögensentzug im Dritten ReichSparkasse Hagen jüdische Kunden |
Weitere Blogbeiträge zum Thema: