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Die Geschichte der Sparkasse Hagen während der Zeit des Nationalsozialismus spiegelt beispielhaft wider, wie kommunale Finanzinstitute in das nationalsozialistische Herrschaftssystem eingebunden waren. Auch wenn Sparkassen formal als kommunale Einrichtungen agierten, waren sie eng mit dem politischen Machtapparat verzahnt – und die Sparkasse Hagen bildete dabei keine Ausnahme. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann eine Phase der politischen Gleichschaltung, die auch die Verwaltungs- und Führungsebenen der Sparkassen betraf. In Hagen wurden wie andernorts leitende Positionen zunehmend mit nationalsozialistisch gesinnten Personen besetzt oder politisch unliebsame Mitarbeiter verdrängt. Die Sparkasse wurde in den Dienst des Regimes gestellt: Ihre Aufgabe war es nicht nur, die Finanzierung von Infrastrukturprojekten und Rüstungsvorhaben zu unterstützen, sondern auch die wirtschaftliche Ausgrenzung jüdischer Bürger zu begleiten. |
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In den 1930er-Jahren wurden jüdische Kunden systematisch aus dem Geschäftsverkehr gedrängt. Konten wurden gesperrt, vermögensbezogene Auskünfte an Behörden weitergegeben oder im Zuge der sogenannten „Arisierung“ aufgelöst. Die Sparkasse Hagen profitierte in einzelnen Fällen – wie viele deutsche Banken – direkt oder indirekt von der Enteignung jüdischer Kunden. Darüber hinaus beteiligte sie sich an der Platzierung öffentlicher Anleihen, mit denen der NS-Staat seine Kriegsvorbereitungen finanzierte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es in der unmittelbaren Nachkriegszeit kaum zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Rolle der Sparkasse Hagen im „Dritten Reich“. Erst Jahrzehnte später, insbesondere ab den 1990er-Jahren, begannen viele Sparkassen – auch in Hagen – mit einer systematischeren Aufarbeitung ihrer NS-Vergangenheit. Dabei zeigte sich, dass das Verhalten der Sparkasse nicht nur von Opportunismus, sondern auch von aktiver Beteiligung an diskriminierenden Maßnahmen geprägt war. Die Geschichte der Sparkasse Hagen im Nationalsozialismus ist heute Teil der lokalen Erinnerungskultur. Sie steht exemplarisch für die Rolle von Finanzinstitutionen im NS-Staat – als stille Helfer eines Regimes, das mit wirtschaftlicher Rationalität und ideologischer Brutalität seine Ziele verfolgte. Die Aufarbeitung dieser Vergangenheit bleibt eine dauerhafte Verpflichtung, um Verantwortung sichtbar zu machen und Lehren für die Gegenwart zu ziehen. |
Arthur Levy Sparkasse HagenSparkasse Hagen und der Nationalsozialismus |
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